wabi — Selbstregulation für neurodivergente Köpfe
Ich wollte ein Produktivitätsproblem lösen. Gefunden habe ich ein Emotionsproblem.
wabi ist eine iOS-App, die neurodivergenten Erwachsenen durch emotion-first Design und radikale Vereinfachung zu nachhaltiger Produktivität verhilft. Entwickelt aus der Erkenntnis, dass bestehende Produktivitäts-Apps nicht an fehlenden Features scheitern sondern an emotionalen Regulation. Jeder meiner Interviewpartner (N=4) hatte To-Do-Apps nach 2-3 Tagen aufgegeben.
Problem
Klassische To‑Do‑Apps optimieren Effizienz, erzeugen aber Druck: zu viele Optionen, harte Deadlines und rote Warnungen verstärken Überforderung. Das Ergebnis ist kein besseres Arbeiten, sondern Schuldgefühle, Vermeidung und schließlich der Abbruch.
Zielgruppe
Neurodivergente Menschen (z. B. ADHD), die sich Selbstregulation wünschen nicht mehr Tempo. Sie brauchen klare Priorisierung, kleine machbare Schritte und eine App, die den emotionalen Zustand respektiert statt ihn zu bestrafen.
Screens
High-Fidelity Mockups
Das Problem
Jeder meiner Interviewpartner (N=4) hat To-Do-Apps nach 2-3 Tagen aufgegeben
100% berichten von Decision Fatigue und Overwhelm
75% erleben Guilt & Shame durch rote "ÜBERFÄLLIG"-Marker
"Wenn ich zu viele Optionen hab, mach ich halt manchmal einfach gar nichts."
"Der hauptsächliche Killer ist, wenn du mit dem Gefühl rausgehst, du hast nicht das geschafft, was du wolltest."
"Ich hab die App gelöscht, weil sie mich quasi vorwurfsvoll angeguckt hat."
Das Muster
Ein Kreislauf aus Hoffnung → Überforderung → Scham → Aufgabe
Das eigentliche Problem ist nicht, dass Menschen mit ADHD 'vergessen' ihre Apps zu nutzen – sie verlassen sie aktiv, weil diese Apps ihre emotionale Realität ignorieren. Rigid structures, Überforderung durch Optionen, und shame-inducing UI patterns machen aus gut gemeinten Produktivitäts-Tools emotionale Belastungen. Die Lösung kann nicht 'noch mehr Features' sein – sie muss fundamental anders denken.
Das ist kein Produktivitätsproblem. Das ist ein Emotionsproblem.
wabi - Selbstregulation für neurodivergente Köpfe
Warum neurodivergente Menschen?
ADHD-Diagnosen bei Erwachsenen: +43% seit 2010
2,14 Mio. ADHD-Erwachsene (DACH, 25-45 J)
Bestehende Apps ignorieren neurodivergente Needs
Warum wabi?
Window of Opportunity
Wachsender Markt ohne echte Lösung
Empathie trifft Execution
Weil ich selbst diagnostiziert bin
Mein Ansatz
Emotion vor Effizienz
"Wie geht es dir?" kommt vor "Was steht an?"
Autonomie vor Anweisung
Vorschläge statt Befehle. Ohne Druck.
Teilnahme vor Erwartung
Kein schlechtes Gewissen. Keine Streaks. Kein Rot.
Der Markt wächst, echte Lösungen fehlen, und ich bin Teil der Zielgruppe – das ist die Grundlage für wabi. Mein Ansatz folgt drei Prinzipien, die direkt aus den Interviews entstanden sind: Emotionale Selbstwahrnehmung schlägt Task-Optimierung. Vorschläge schlagen Befehle. Und Teilnahme ohne Erwartungsdruck schlägt Streak-Mechaniken.
Die Lösung: Drei Kern-Features
Emotion-First Check-In
"Wie geht es dir?" kommt vor "Was steht an?". Der emotionale Zustand bestimmt, welche Features aktiv sind und wie die App kommuniziert.
Adaptive Fokus Slots
Nie mehr als 3 aktive Tasks. Die App passt sich an: Im Protection Mode nur 1 Slot, im Growth Mode bis zu 3. Gegen Decision Fatigue.
Time Boxing
User definieren ihr Arbeitsbudget. Die App schützt vor Überarbeitung und Hyperfocus – nicht vor zu wenig, sondern vor zu viel.
Was diese drei Features von herkömmlichen Produktivitäts-Apps unterscheidet: Sie fordern nichts, sie bieten an. Der Check-In fragt, statt vorauszusetzen. Die Fokus-Slots passen sich an, statt zu überfordern. Time Boxing schützt, statt zu limitieren. Diese Haltung, autonomie statt Anweisung, ist der Kern von wabi und direkt aus den Nutzerinterviews entstanden.
Der Prototyp
Mit ClaudeCode einen echten iOS Prototypen gebaut.
4325 Zeilen Code
35 Swift Dateien
Kann direkt auf Endgeräten getestet werden
Kann von einem erfahrenen Developer mit entwickelt werden
Wenn neue Technologien verfügbar werden, will ich sie sofort praktisch ausprobieren. Mit Claude Code habe ich wabi von der ersten Zeile Code bis zum testbaren iOS-Prototyp gebracht - die 0-to-1-Phase, in der schnelles Iterieren entscheidend ist. So lässt sich das emotionszentrierte Konzept direkt validieren und weiterentwickeln.
Roadmap & Next Steps
MVP Refinement
- • Emotion-Tracking-Flow verfeinern
- • Onboarding für ADHD-User optimieren
- • Performance & Stabilität testen
Beta Test
- • Premium-Tier definieren & A/B-testen
- • Beta-Programm mit ADHD-Community launchen
- • Weekly Feedback-Loops & Iteration
Market Validation
- • 30 aktive Beta Nutzer gewinnen & begleiten
- • Zahlungsbereitschaft für Premium-Version testen
- • Nutzungsverhalten analysieren (Häufigkeit, Abbrüche)
Launch Preparation
- • Launch-Timing & Kanäle festlegen
- • Beta-Nutzer zu Markenbotschaftern machen
- • Feature-Prioritäten für die nächsten 6 Monate
Die Roadmap folgt Lean-Prinzipien und ist bewusst für die Realität eines Solo Product Managers ohne eigenes Dev-Team konzipiert. Statt direkt zum Launch zu springen, steht Build-Measure-Learn in jeder Phase im Mittelpunkt: Erst kleine, messbare Erfolge erreichen wie funktionierende Features, echtes User-Feedback und erste zahlende Nutzer, bevor größere Investitionen getätigt werden. Jede Phase hat klare Exit-Kriterien, sodass Annahmen systematisch validiert werden und verschwendete Arbeit minimiert wird.
Risiken & Herausforderungen
Organisches Wachstum braucht Zeit
Retention-Validierung: 35% Day-7 Retention ist ambitioniert, muss im Beta bewiesen werden
Zahlungsbereitschaft muss validiert werden
Realistische Einschätzung
- → MVP-Phase entscheidend für Product-Market-Fit
- → Community-Building über Produktperformance hinaus kritisch
- → Langfristiges Commitment nötig, kein Quick-Win-Projekt
Jedes Produkt hat Risiken. Bei wabi sind es vor allem Zeit und Ressourcen: Organisches Wachstum ist langsam, Community-Building braucht Ausdauer, und Zahlungsbereitschaft muss validiert werden. Die realistische Einschätzung zeigt aber auch, dass die MVP-Phase genau dafür da ist: Product-Market-Fit beweisen, bevor größere Commitments eingegangen werden.
Learnings
Product Discovery ist nicht linear.
User Research vor allem anderen.
Was ich will ≠ Was User wollen
wabi war eine intensive Lektion in Product Discovery. Ich habe gelernt, dass der Prozess selten linear verläuft und User Research nicht nur am Anfang steht, sondern den gesamten Prozess begleiten muss. Am schwersten fiel mir, meine eigenen Feature-Ideen loszulassen, wenn sie nicht zu echten User-Bedürfnissen passten. Diese Distanz zwischen persönlicher Vision und validiertem Bedarf war die wertvollste Erkenntnis.
Weitere Projekte
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